{"id":7932,"date":"2015-12-10T22:38:29","date_gmt":"2015-12-10T21:38:29","guid":{"rendered":"http:\/\/www.orthodiakonia.de\/de\/?p=7932"},"modified":"2015-12-10T23:17:08","modified_gmt":"2015-12-10T22:17:08","slug":"zeit-zu-helfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.orthodiakonia.de\/de\/zeit-zu-helfen\/","title":{"rendered":"Zeit zu helfen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"https:\/\/www.orthodiakonia.de\/de\/wohltaetigkeits-jahrmarkt-in-muenchen-dezember-2015\/\">Fotos: Wohlt\u00e4tigkeits-Jahrmarkt in M\u00fcnchen, 6.12.2015<\/a><br \/>\nWeih<a href=\"https:\/\/www.orthodiakonia.de\/foto-munchen-12-2105\/\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-medium wp-image-7895 alignleft\" src=\"\/wp-content\/uploads\/2015\/12\/jm01a-300x265.jpg\" alt=\"jm01\" width=\"100\" height=\"90\" \/><\/a>nachten und Wohlt\u00e4tigkeit. Weihnachten und ein g\u00fctiges, offenes Herz. Diese Worte sind schon seit langem zu Synonymen geworden. Haben Sie sich je gefragt, warum das so ist? Warum hat sich Dickens\u00b4 Bild von einem habgierigen Alten, der nicht einmal an Heiligabend bereit ist zu teilen, als so stark erwiesen, dass der Name dieser Figur sich von ihr gel\u00f6st hat und als eigenst\u00e4ndiges Wort in die englische Sprache eingegangen ist (scrooge \u2013 Geizhals)?<br \/>\n<!--more Weiterlesen--><br \/>\nAuf den ersten Blick mag die Frage danach, warum das Verlangen nach guten Taten ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit so ausgepr\u00e4gt ist, als recht banal erscheinen. Klar doch! Die Heiligen Drei K\u00f6nige sind zur Verehrung des neugeborenen Jesus ja auch mit Gaben gekommen. Deshalb muss jedes Kind zu diesem Festtag beschenkt werden. Und wenn Kinder Geschenke bekommen, warum nicht auch die Alten? Und wenn auch die Alten etwas kriegen, warum nicht gleich alle? Gerechtigkeit muss es ja schlie\u00dflich geben!<br \/>\nDoch was ist dann mit denen, die die biblischen Geschichten nicht kennen? Sie glauben, solche gibt es in unseren Breitengraden nicht? Da denken Sie falsch.<br \/>\nVor einigen Jahren hat eine Fernsehgruppe zuf\u00e4llige Besucher des M\u00fcnchner Weihnachtsmarkts gefragt, was denn bei diesem Fest \u00fcberhaupt gefeiert wird. Wie erwartet fanden sich so einige Menschen \u2013 weit entfernt vom Kindesalter -, die keinerlei Ahnung hatten. Die Episode sollte wahrscheinlich lustig sein, brachte aber eine ziemlich krankhafte Seite unserer Gesellschaft an den Tag: die komplette Losl\u00f6sung von ihren Wurzeln.<br \/>\nEs w\u00e4re interessant zu erfahren, ob diese naiven Unwissenden in der Weihnachtszeit auch mehr (oder \u00fcberhaupt) spenden. Versp\u00fcren sie ebenfalls den Drang, anderen zu helfen? Und wenn ja, warum? Vielleicht weil die K\u00e4lte und die Not im Winter tats\u00e4chlich sp\u00fcrbar sind, was uns daran erinnert, dass bei weitem nicht alle eine warme M\u00fctze auf dem Kopf und einen Truthahn im Ofen haben? Wieder die Gerechtigkeit. Die nun gar nichts mehr mit den sogenannten \u201eTraditionen\u201c zu tun hat.<br \/>\nUnd das bringt uns \u2013 wie ich glaube \u2013 zum Schl\u00fcsselbegriff des Problems. Heute geh\u00f6rt es zum guten Geschmack, alles, was mit Religion verbunden ist, als \u201eTradition\u201c zu bezeichnen. Auf diese Weise stellt sich der Mensch als einen fortschrittlichen Intellektuellen dar, der gleichzeitig die unterbehelligte Vergangenheit mit all ihren \u00dcberbleibseln respektiert.<br \/>\nBeten vor dem Essen? Nat\u00fcrlich! Eine sehr nette \u201eTradition\u201c! Kirchgang zu Weihnachten oder Ostern? Eine ausgezeichnete \u201eTradition\u201c, die die Familie vereint! Wohlt\u00e4tigkeitsjahrm\u00e4rkte? Eine au\u00dferordentlich n\u00fctzliche \u201eTradition\u201c! Sp\u00fcren sie den bitteren Nachgeschmack? Woher kommt er? Ich glaube hiervon: Worte haben einen enormen Einfluss auf unsere Denkweise. Wir brauchen nur oft genug \u201eTraditionen\u201c und \u201eLegenden\u201c zu sagen und schon verlieren die so bezeichneten Ereignisse an Leben und an Realit\u00e4t. Sie werden zu leeren M\u00e4rchen, die nicht auf unsere Seele einwirken k\u00f6nnen. Vielleicht nur belehrend, doch was ist das schon im Vergleich zur lebendigen Kraft, die die Beschaffenheit des Herzens ver\u00e4ndern kann?<br \/>\nViele Orthodoxe m\u00f6gen das Wort \u201eZauber\u201c nicht. Ich aber schon. Und hier passt es sehr gut. Ich glaube, dass in der Zeit vor diesem \u00fcberaus wichtigen Fest auf unserer armseligen Erde etwas Zauberhaftes geschieht. Ein Stern fliegt vorbei und erhellt die Gesichter zuf\u00e4lliger Passanten. Und die Menschen blicken um sich und stellen verwundert fest: Wir sind eins! Das bin ich. Und das da bin auch ich. Und der einbeinige Obdachlose dort \u2013 auch das bin ich! Und bald passiert etwas Gro\u00dfes! Etwas GRO\u00dfES! Ich muss mich beeilen! Doch beeilen, was zu tun? Ich wei\u00df es! Ich gebe einen Teil von mir und werde so ganzer! Denn ich gebe ihn ja mir selbst!<\/p>\n<p>Keine Traditionen, keine Gerechtigkeit, blo\u00dfer Zauber.<\/p>\n<p><em>Margarita Ostapchuk<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fotos: Wohlt\u00e4tigkeits-Jahrmarkt in M\u00fcnchen, 6.12.2015 Weihnachten und Wohlt\u00e4tigkeit. Weihnachten und ein g\u00fctiges, offenes Herz. Diese Worte sind schon seit langem zu Synonymen geworden. Haben Sie sich je gefragt, warum das so ist? 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